Lena Ganahl, 2026
Werkbezug: Nicht im Regen stehen
In ihrer Arbeit „Nicht im Regen stehen“ tritt Angelika Wischermann in einen vielschichtigen Dialog mit Max Weilers Gemälde „Munterer Himmel“. Ausgangspunkt ist ein scheinbar schützendes Alltagsobjekt: ein dunkelblauer, aufgespannter Regenschirm, am Boden abgelegt. Erst bei näherem Hinsehen offenbart sich seine Transformation. Tausende Nadeln durchstoßen die Stoffhaut von innen nach außen. Auf der Innenseite verdichten sich die hellen Nadelköpfe zu einem sternenartigen Gefüge; außen jedoch entsteht eine stachelige, abweisende Oberfläche, die je nach licht bedrohlich aufscheint.
Wischermann knüpft damit an ihre wiederkehrende Praxis an, vertraute Dinge in ambivalente Körper zu verwandeln. Schutz und Gefahr, Anziehung und Abwehr liegen dicht beieinander. Auch das Bild „Munterer Himmel“ wird von ihr zwiespältig interpretiert: für sie stellt es nicht nur heiteres Wetter dar, sondern lässt auch auf Regen oder ein (mögliches) Unwetter schließen.
Diese Ambivalenz verweist zugleich auf eine kritische Auseinandersetzung mit Max Weiler selbst. Der Regenschirm wird zum Träger unbequemer Fragen nach biografischen Leerstellen, nach Anpassung und Wandel, nach den Spannungen zwischen künstlerischer Größe und historischer Verantwortung. So spannt sich über dem Objekt ein Himmel, der nicht nur munter ist, sondern von Widersprüchen durchzogen.
Text: Lena Ganahl
Foto: David Steinbacher